Kurz, Kopfgriff und Souplesse als Markenzeichen

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Berner Oberländer Peter Lengacher an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2008. Der Metzgermeister mit einem eigenen Fleischfachgeschäft in Aeschi bei Spiez zählte von 1974 bis zu seinem Rücktritt Ende Saison 1983 zu den sicheren Werten im Lager der Berner. Seine Siege am Berner Kantonalschwingfest 1982 und ein Jahr zuvor am Oberländischen, mehrere Schlussgangqualifikationen wie jene am Kilchberger Schwinget 1978 und die beiden 1980 und 1983 erkämpften Kränze von eidgenössischer Prägung liefern den entsprechenden Beweis
Peter Lengacher (links) nach dem verlorenen Schlussgang gegen Hans Kopp am Kilchberger Schwinget 1978. (Fotoarchiv: Christian Mutzner)

Der Zugang zum Schwingsport war bei Peter Lengacher ein Erbstück. Schon sein Vater übte diesen Sport aus und verstand, sich einige Male unter die Kranzgewinner zu reihen. Zudem war er im Oberländischen Schwingerverband Technischer Leiter. So lag es nahe, dass der zweifache Eidgenosse Peter Lengacher in seine Fussstapfen trat. «Den Schritt dazu habe ich nie bereut. Das Schwingen war für mich eine Art Lebensschule. Ich lernte, und dies hat sich in meinem Beruf ausbezahlt, mit Niederlagen umzugehen. Nicht missen möchte ich auch die vielen Freundschaften.»

Erster Kranz mit 19 Jahren
Der erste der insgesamt 39 Kranzgewinne stellte sich für Peter Lengacher 1970 am Südwestschweizerischen in Fribourg ein. «Darauf bin ich besonders stolz. Später erhielt ich nur noch am Nordostschweizerischen 1982 in Klosters die Chance, einen zweiten Teilverbandskran zu erringen. Für weitere Einsätze reichte es mir bei der früheren Leistungsdichte in unserem Verband leider nicht mehr.»

Dagegen ist der frühere Turnerschwinger im Besitze aller damals möglichen Bergfestkränze. Zwischen dem ersten und letzten Kranzgewinn, 1983 am Eidgenössischen in Langenthal, lagen 13 Jahre. Im gleichen Jahr endete auch seine Laufbahn. «Ich bestritt meinen allerletzten Wettkampf am Chemihütte-Schwinget nahe meines Wohnortes. Es war ein würdiger Abschluss. Ich stiess gegen Leo Betschart in den Schlussgang vor. Nach einer Punkteteilung zierten wir gemeinsam die Ranglistenspitze.»

Eidgenosse im vierten Anlauf
Bis Peter Lengacher den Status eines Eidgenossen erlangte, musste er sich gedulden. Eigentlich «geplant» war die höchste Auszeichnung im Schwingen schon am Eidgenössischen 1977 in Basel. «Ich war damals gut drauf und vermochte mich am Oberländischen wie am Berner Kantonalschwingfest für den Schlussgang zu qualifizieren. Umso mehr die Enttäuschung, als ich den Kranz um 1,50 Punkte verpasste.» An einem solchen geschnuppert hatte Lengacher schon 1974 in Schwyz. Dort reichten die 75,25 aus vier Siegen, je zwei gestellten und verlorenen Gängen resultierenden Punkte nicht zur ehrenvollen Auszeichnung.Bei seiner ersten Teilnahme 1972 in La Chaux-de-Fonds bezahlte der passionierte Fussballfan noch Lehrgeld.

1980 und 1983 klappte es
«Aufgeschoben ist nicht aufgehoben», sagte sich der dreifache Familienvater und holte 1980 und 1983 zu einem Doppelschlag aus. Mit fünf Siegen sehr gut in Szene setzte sich der auf die Schwünge Kurz, Kopfgriff und Souplesse fixierte Turnerschwinger vor allem in St. Gallen. In Langenthal blieb der zweifache Kranzfestsieger ungeschlagen und hatte den Kranz bereits vor dem letzten der acht Kämpfe gesichert.

Weiteres Highlight am Kilchberger
Die Schlussgangqualifikation am Kilchberger Schwinget von 1978 war ein weiteres Highlight in Lengachers Laufbahn. Bei vier vorgelegten Siegen über die Nordostschweizer Koryphäen Franz Schatt, Max Wolfensberger, Jean Leuba und Karl Meli war sie auch redlich verdient. Ihr konnte selbst die Niederlage im fünften Gang gegen Hans Kopp nichts anhaben. Kopp hiess auch sein Gegner im Schlussgang, in dem die Entscheidung zu Gunsten des Wahl-Innerschweizers erst in der 14. Minute fiel. Aber auch Lengacher hatte Chancen besessen, den Kampf zu gewinnen.

Über seine ganze Laufbahn betrachtet, legte er vielleicht zu wenig Ehrgeiz an den Tag. «Ob ich mit einer anderen Einstellung mehr erreicht hätte, ist schwierig zu sagen. Wichtig erschien mir der Spass am Schwingen», sagt der Berner Oberländer, der sich ob den vielen Ehrenplätzen einen Namen als «ewiger Zweiter» einhandelte.

Verdienste als Funktionär
Dem Schwingsport blieb Peter Lengacher auch nach seinem Rücktritt in den Funktionen Klubpräsident der Schwingersektion Aeschi, Chef der Technischen Kommission im Oberländischen Verband und Kassier im Berner Kantonalverband erhalten.

Zudem führte er an der Eidgenössischen Abgeordnetenversammlung in Aeschi 2009 das Festwirtschaftskomitee. Sonst hat er keine Chargen mehr inne und nahm sich vermehrt Zeit, die schwingerische Laufbahn seines Sohnes Jonas zu verfolgen. Dieser ist nach dem ESAF 2019 zurückgetreten und hat in der Zwischenzeit den elterlichen Metzgereibetrieb übernommen.

Autor: Karl Duss

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