Mit drittem Kranzgewinn zum Eidgenossen gekürt

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Schwingerkönig Silvio Rüfenacht aus dem Berner Kantonalverband an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2019. Ausgestattet mit einer soliden Stand- sowie Bodentechnik war Silvio Rüfenacht über mehr als ein Jahrzehnt eine wichtige Stütze des Bernischen Schwingerverbandes. Der Königstitel und Spitzenresultate zeigen die Durchschlagskraft.
Auf dem Weg zum Schwingerkönig: Silvio Rüfenacht (rechts, gegen Daniel Hüsler) am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1992 in Olten. (Fotoarchiv: Christian Mutzner)
Bereits als Jungschwinger war ersichtlich, dass Silvio Rüfenacht körperlich wie physisch die besten Voraussetzungen angeboren waren, um ein absoluter Spitzenschwinger zu werden. Durch seinen Vater Samuel, selber ein bekannter Kranzschwinger, begann «Silu» während der Schulzeit mit dem Schwingen. Dabei kamen ihm seine Eigenschaften, ohne wenn und aber ein gestecktes Ziel zu verfolgen, sehr entgegen.
 
Bald schon entwickelte sich Silvio Rüfenacht zum vielseitigen Techniker. Nebst den wichtigen Standschwüngen war er ebenfalls in der Bodenarbeit sehr versiert. Bei den älteren Schwingerfreunden ist der von Rüfenacht zur Perfektion entwickelte Münger-Murx noch heute legendär. War Rüfenacht in der Lage am Boden seinen Spezialschwung anzuwenden, gab es für den Gegner fast kein Entkommen mehr. 
 
Mit 18 Jahren Eidgenosse
Durch seine blendende Technik vollzog der junge Zimmermannlehrling den Übertritt zu den Aktivschwingern ohne grosse Probleme. Einmal reichten ihm die nötigen Punkte nicht, um im Kranzausstich mitschwingen zu dürfen.
 
Als 17-Jähriger klassierte sich Silvio Rüfenacht am Oberaargauischen erstmals unter den Kranzgewinnern. Ein Jahr später erkämpfte er sich am Bern-Jurassischen seinen zweiten Kranz und wurde dadurch für das Eidgenössische Schwingfest in Sitten qualifiziert. Nach einer grandiosen Leistung klassierte sich der blutjunge Turnerschwinger im kranzberechtigten achten Schlussrang und war von diesem Zeitpunkt an nicht mehr von der Spitze im Berner Verband wegzudenken.
 
Sein grosses Potenzial deutete er bereits im zweiten Gang an, indem er den Mitfavoriten Hans Hämmerli mit einem gestellten Gang zurückband. Drei Jahre später erreichte Silvio Rüfenacht beim Eidgenössischen Schwingfest in Stans mit dem dritten Rang ein Spitzenresultat. 
 
Königstitel in Olten
Sicherlich gehörte Silvio Rüfenacht am Eidgenössischen Schwingfest in Olten zum erweiterten Favoritenkreis. Da er jedoch während dieser Zeit in der Offiziersschule weilte, gab es bei diversen Schwingerfreunden doch ein Fragezeichen um den Formstand des Berners. «Die Offiziersschule hat mir in den Vorbereitungen nicht im Geringsten geschadet. Körperlich war ich durch die harte Ausbildung auf Höchstniveau und abends konnte ich voll trainieren. Zudem wurde ich für den Grossanlass eine Woche freigestellt und konnte mich voll auf meinen Einsatz konzentrieren.» Aus der Sicht von Silvio Rüfenacht schadet der Militärdienst keiner Sportlerkarriere. «Man kann ja die Anstrengungen im Militär ebenfalls als Training ansehen und das Beste daraus machen.»
 
Mit zwei Gestellten gegen Enrico Matossi und Matthäus Huber und fünf Siegen, darunter gegen Daniel von Euw und Daniel Hüsler qualifizierte sich Silvio Rüfenacht für den Schlussgang gegen Jörg Schneider. Bereits in der dritten Minute bezwang er den Nordwestschweizer mit einem unwiderstehlichen Kurzzug und wurde so zum neuen Schwingerkönig gekrönt. 
 
Favoritenrolle gewachsen
Mit dem dritten Rang in Chur und den Kranzgewinnen in Bern und Nyon erkämpfte sich Silvio Rüfenacht drei weitere eidgenössische Kränze. Obschon er weitere glanzvolle Kranzfestsiege feiern konnte, war die Spitze nicht zuletzt im eigenen Gauverband sehr gross. Sein heutiger Schwager Adrian Käser, Niklaus Gasser, Christian von Weissenfluh, Roger Brügger und Christian Oesch waren starke Gegner, die um einen Festsieg zu erringen, bezwungen werden mussten.
 
Dazu kam, dass Silvio Rüfenacht nicht immer vorteilhaft benotet wurde und so einige Male um den an sich verdienten Festsieg geprellt wurde. «Enttäuschungen habe ich eigentlich keine erlebt. Die Entscheidungen der Kampfrichter müssen akzeptiert werden und können sowieso nicht mehr rückgängig gemacht werden.»
 
Voll im Geschehen
Nach seinem Rücktritt nahm Silvio Rüfenacht Einsitz in den verschiedensten Funktionen im administrativen Bereich. Durch seinen Neffen Remo Käser ist er immer noch am Geschehen auf den Schwingplätzen interessiert und die Entwicklung der Jungschwinger liegt ihm am Herzen.
 
Ob im Klub, im Gauverband oder im Kantonalverband, immer hat Rüfenacht ein offenes Ohr und steht mit Rat und Tat zur Verfügung. Seine aufopfernden Aufgaben haben ihm die Ehrenmitgliedschaften im Oberaargau und im Berner Verband eingebracht.
Im Artikel erwähnt: 

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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