Christian Stucki (Teil 1): Porträt aus SCHWINGEN. DAS MAGAZIN.

In der Schwingerwoche werden Woche für Woche von Mitte Oktober bis Mitte März jeweils täglich Meldungen vom betreffenden Schwinger aufgeschaltet. Derzeit an der Reihe ist Christian Stucki. Heute: Teil 1.

Im vergangenen April war bei der Erstausgabe vom SCHWINGEN. DAS MAGAZIN auch Christian Stucki ein grosser Bericht gewidmet. Heute Teil 1 vom Bericht! Mehr zu SCHWINGEN. DAS MAGAZIN. mit Bestellmöglichkeit unter Abonnieren.

Die Gmüetsmoore
Die letzte Saison? Der Brocken hinter dem Steuer schüttelt den Kopf: Zum abhaken! Und dies trotz zwei Festsiegen. Wer so denkt, der gehört unweigerlich zur Spitze der Szene. Kaum ein anderer Schwinger geniesst in den Medien und der Öffentlichkeit denn auch solch grosse Aufmerk- samkeit wie Christian Stucki – mit Betonung auf «gross». Der Hüne aus dem Berner Seeland überragt mit seinen 1,98 Metern Körpergrösse und 145 Kilo Kampfgewicht praktisch das gesamte Feld.

Zwei prestigeträchtige Titel kann der 27-Jährige bisher gutschreiben: Den Sieg am Kilchberger Schwinget 2008 und jenen am Brünig 2009. Hinzu kommen 16 Kranzfestsiege und gegen 70 Kränze. Das verpflichtet. Zumal Stucki in der Saison 2009 das Kunststück fertig gebracht hat, nicht ein einziges Mal als Verlierer aus dem Sägemehl treten zu müssen. «Diese tolle Serie hat die Erwartungen unglaublich in die Höhe geschraubt», sagt der gelernte Forstwart, der sein Brot – respektive Fleisch – heute als Chauffeur bei einer Grossmetzgerei verdient. Wo immer Stucki zu einem Hosenlupf antritt: Er gehört zum engeren Favoritenkreis gezählt.

Hart verdienter Neid
Donnerstag morgen vor den Toren der Stadt Bern. Christian «Chrigu» Stucki steuert seinen 18-Tönner über die Autobahn in Richtung Fribourg und macht «dr’Cheer». «Ich habe einen Achtzig-Prozent-Job, den ich auf fünf Tage verteilen kann. Das ermöglicht mir grösstmögliche Flexibilität.» Flexibilität, die er für Trainings nützt. Und für Termine. Der Riese Stucki ist ein überaus gefragter Werbepartner und Markenbotschafter. Die Palette reicht von der Brauerei über den Autoimporteur und Nutzfahrzeugverband bis hin zum Online- Portal und verschiedenen Sportausrüstern.

Sein wichtigster Deal, jener mit dem Detailhändler Lidl, hat ihm allerdings nicht nur ein schönes Salär beschert, sondern auch den einen oder anderen negativen Kommentar: «Ausgerechnet ein deutscher Discounter!» Stucki nimmt’s gelassen. «Die Leute reden viel. Und Neider gibt es überall. Ich halte mich dahingehend an ein altes Sprichwort: Mitleid bekommst Du geschenkt – Neid musst Du Dir verdienen!»

Stuckis morgendliche Fuhr hat ihren Bestimmungsort erreicht. Der Zwei-Meter-minus-zwei-Zentimeter-Mann schält sich aus dem Fahrersitz und springt aus der Führerkabine. Keine Anzeichen von Schwerfälligkeit, 145 Kilo hin oder her. «Ach, das Gewicht», winkt er ab, «manchmal kommt es mir vor, als gäbe es kein anderes Thema, mit dem man meine Person in Verbindung bringen könnte.» Auch diesen Umstand nimmt er mehr oder weniger gelassen. Was ihn allerdings stört, ist die weit verbreitete Annahme, er würde seine Kämpfe einzig und alleine der Masse wegen gewinnen. «Die wichtigen Schlussgänge habe ich alle mit einem anderen Schwung beendet», unterstreicht er. Stucki, das erfahren seine Gegner reihenweise, ist nicht nur bärenstark. Er ist auch schnell, beweglich und technisch äusserst versiert.

Mit Schwingen hat Christian Stucki im Alter von sieben Jahren begonnen. Da gehörte er schon zu den imposanteren Erscheinungen im Schwingkeller und auf dem Pausenplatz. Mit 14 mass er 1,88 und trug Schuhgrösse 48 – heute ist es Grösse 51. Wer allerdings denkt, der «Chrigu» habe auch das Geschehen auf dem Schulhof bestimmt, der irrt gewaltig. «Ich bin Streitereien aus dem Weg gegangen und habe mich kaum gewehrt, wenn einer auf mich losgegangen ist.» Von den "Bösen", sagt er, sei er einer der ganz lieben. Und tatsächlich: Der «Chrigu», tönt es aus seinem Umfeld, das ist eine absolute Gmüetsmoore!

Die Serie Schwingerwoche mit Christian Stucki wird am Dienstag, 30. Oktober, mit Teil 2 fortgesetzt. 

Im Artikel erwähnt: 

Kommentare