Daniel Bösch (Teil 4): Porträt aus SCHWINGEN. DAS MAGAZIN.

In der Schwingerwoche werden Woche für Woche von Mitte Oktober bis Mitte März jeweils täglich Meldungen vom betreffenden Schwinger aufgeschaltet. Derzeit an der Reihe ist Daniel Bösch. Heute: Teil 4.

Im vergangenen April war bei der Erstausgabe vom SCHWINGEN. DAS MAGAZIN auch Daniel Bösch ein grosser Bericht gewidmet. Heute Teil 1 vom Bericht! Mehr zu SCHWINGEN. DAS MAGAZIN. mit Bestellmöglichkeit unter Abonnieren.

Schicksalsschlag mit 16 Jahren
Rugby-Spieler werden in Neuseeland wie Volkshelden behandelt. Ähnlich wie in der Schweiz die Schwinger? „Nein, nein, das ist nicht zu vergleichen“, sagt er bescheiden. Eine Bescheidenheit, die nicht von ungefähr kommt. Denn Daniel Bösch hatte es nicht immer einfach. Eine Woche vor dem Eidgenössischen Schwingfest 2004 in Luzern musste der Ostschweizer überraschend von seinem Vater Abschied nehmen. Dabei war gerade er es gewesen, der ihn bereits im Kindesalter zum Schwingsport animierte. Dieser wurde ihm sprichwörtlich in die Wiege gelegt. „Ich lag früher in einer Babyschaukel, die mein Vater an einem Schwingfest gewonnen hatte.“

Nicht zuletzt durch das frühe Ableben seines Vaters hat Daniel Bösch eine innige Beziehung zu seiner Mutter aufgebaut. «Sie unterstützt mich sehr oft an den Schwingfesten. Zudem zaubert sie mir vor einem Anlass jeweils ein feines Essen auf den Tisch.» Wohnhaft ist der gelernte Metzger in der Zwischenzeit aber nicht mehr in seinem Geburtshaus, sondern im nahen Thurgau. Und wie sieht es mit einer Freundin aus? «Gibt es momentan nicht», setzt er ein süffisantes Lächeln auf. Aber der Sieg am Unspunnen-Schwinget hat die ein- bis zweideutigen Angebote bestimmt angekurbelt, oder? „Klar, man erkennt mich jetzt häufiger. Doch es wird mir nicht auf die Pelle gerückt. Und der Umgang mit meinem Bekanntenkreis hat sich sowieso nicht verändert. Ich bin hoffentlich noch immer dieselbe Person wie vor dem Sieg am Unspunnen.“

Kein Ausrutscher auf dem Eis
Seine Lieblingsspeise – Cordon bleu – hat Daniel Bösch mittlerweile verspeist. Nach einem kurzen Plausch mit dem Wirt geht es weiter aufs Glatteis, genauer gesagt in die Wiler Eishalle. Nebst Schwingen und Rugby gehört Eishockey zu den weiteren Leidenschaften des Toggenburgers. Obwohl er mit seinen Massen ein Turm in der Defensive einer Eishockeymannschaft bilden könnte, wagt er sich erstmals seit Längerem wieder aufs Eis. „Ich geniesse Eishockey vor allem als Zuschauer. Besonders gefreut hat mich dabei die Einladung meines Lieblingsvereins EV Zug.“ Solche Einladungen nehme er sehr gerne an – „wenn es zeitlich passt, denn das Training will ich nicht vernachlässigen.“ Nach ein paar zaghaften Aufwärmrunden ist Daniel Bösch kaum mehr zu bremsen. „Früher spielten wir auf einem gefrorenen Weiher Eishockey. Leider hat’s das schon lange nicht mehr gegeben.“ Und wieder verkörpert er mit seiner verspielten Art das pure Gegenteil einer Person ohne Ausstrahlung. „Der Schwingsport ist für mich immer noch ein grosses Hobby. Dass der Erfolg nicht ausbleibt, macht natürlich doppelt Freude. Nur wegen des Geldes würde ich niemals schwingen.“ Man nimmt es ihm sofort ab, wenn er sagt, er würde aus purer Freude und mit viel Hingabe – und eben nicht mit Kalkül – ins Sägemehl treten.

Mit dem Sport zum Lebenstraum
Und dennoch. Der Unspunnen-Sieg hat dem St. Galler Türen geöffnet, die vorher verschlossen waren. Seit Januar ist er offizieller Botschafter von Toyota. Der Autohersteller hat den sympathischen Hünen als Aushängeschild für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfestes 2013 in Burgdorf engagiert. Er ist also – entgegen eingangs erwähnter Einwände – auch für grosse Sponsoren interessant. Daniel Bösch spricht über die Zusatzeinnahmen sehr offen. „Ich opfere viel Freizeit für das Schwingen. Wieso soll ich da nicht auch finanziell entschädigt werden?“

Und was soll mit dem ganzen Geld geschehen? Auch dort hat der junge Mann eine passende Antwort parat: „Es war schon immer mein Traum, eine eigene Metzgerei zu führen. Der ‹Lohn› aus dem Schwingsport würde mir den Einstieg natürlich etwas erleichtern.“ Obwohl Daniel Bösch dank dem Vertrag mit Toyota zu einem der finanziell am lukrativsten unterstützten Schwinger aufgestiegen ist, hat er den Boden unter den Füssen nicht verloren. „Ich werde weiterhin hundert Prozent arbeiten. Wenn ich mir überlege, was ich mit der freien Zeit anfangen soll, würde ich wohl ziemlich ins Grübeln kommen.“ Bösch hat bei seinem jetzigen Arbeitgeber zudem viel Verantwortung inne. Und das behage ihm, wie er betont. Ob privat, bei der Arbeit in der Metzgerei oder auf dem Schwingplatz: Daniel Bösch ist sich selber geblieben. Ein Realist durch und durch.

Mit einem kraftvollen Handschlag verabschiedet sich Daniel Bösch nach dem letzten Eismanöver – einer stiebenden Vollbremsung. Zeit für ein Fazit: Der Bursche hat Ausstrahlung. Bei grossen Sponsoren ist er ebenfalls ein gefragter Mann. Ob Daniel Bösch auch zum Star avancieren wird, das entscheiden die sportlichen Resultate der nächsten Wochen.

Die Serie Schwingerwoche mit Daniel Bösch wird am Freitag, 26. Oktober, mit Teil 5 fortgesetzt. 

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